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Kızılırmak
 

Wetterstation: Sausun
Klimazonen: Csh

Wieso der Kızılırmak?

Der Kızılırmak ist ein rein innertürkischer Fluss und mündet ins Schwarze Meer. Dort bildet er ein großes Delta, das nach dem Ramsar-Abkommen besonders geschützt ist, wobei jedoch die intensive landwirtschaftliche Nutzung die kleinen Vogelschutzgebiete immer weiter bedrängt. Das eigentliche Naturschutzgebiet im Delta ist mit 21,6 ha im Verhältnis zur Gesamtfläche von knapp 57 km2 winzig. Da das Delta jedoch einer der wichtigsten Brut- und Lebensräume für zahllose Vogelarten ist, wurde der Kızılırmak im Rahmen des C-Change-Projektes als Stellvertreter für das Thema Vögel und Flüsse ausgewählt.

Fischzucht am  Kizilirmak


Was für ein Fluss ist der Kızılırmak?

Der Kızılırmak ist 1.355 Kilometer lang, also über 3mal so lang wie der Main, und überwindet auf dieser Strecke 2.000 Höhenmeter Gefälle. Er entwässert  78.646 km2 Landfläche.

Das Flussdelta ist neben dem Donaudelta das größte am Schwarzen Meer, 56 km2, davon sind 16.110 ha Feuchtlandgebiet. Das Delta ist das einzige Feuchtlandgebiet des Schwarzen Meeres. Es umfasst Dünen, die bis zu 12 m Höhe erreichen, Sümpfe, Flachgewässer und temporär überflutete Feuchtgebiete, Wiesen, Weiden, ausgedehnte Röhrichte, Bruchwälder und Auwälder. Dazu kommen noch und 7 Flachwasserseen. Hier befindet sich auch einer der wenigen Auwälder innerhalb der Türkei. Das Delta ist also ein wahres Paradies für Wasservögel.
Das Flussdelta zeichnet sich also durch eine außergewöhnliche ökologische Vielfalt und einen großen tierischen und pflanzlichen Artenreichtum aus. Es ist gemäß der Ramsar-Konvention ein geschütztes Feuchtlandgebiet und ist international eine anerkannte wichtige Raststätte für Zugvögel.

Während des Winters halten sich daher dort ca. 92.000 Zugvögel  und Wasservögel auf. Diese Zahl umfasst ungefähr 74 % des Wasservogelbestandes in der Türkei. Darüber hinaus dient das Delta zur Ablage von Fischlaich und den Jungfischen als geschütztes Gebiet zum Aufwachsen. Typische Kızılırmak- Fische sind zum Beispiel Karpfen, Zander, Forelle und Flusskrebs. Aber auch verschiedene Arten von Fröschen, Kröten, Schildkröten sowie Arten von Wasserschlangen und Landschlagen sind hier heimisch. Im Delta finden sich unter anderem auch Wildkatze, Wassermarder, Schakal, Eichhörnchen und Wildschweine.

Welche Probleme gibt es am Kızılırmak?

Durch die auch in der Türkei konstant steigenden Temperaturen wird gleichzeitig der Verbrauch an Frischwasser und damit die Wasserentnahme vor allem für die Landwirtschaft aus dem Fluss erhöht. Außerdem wir durch eine große Pipeline Wasser in Richtung der türkischen Hauptstadt Ankara abgezapft. Niederschlagbedingte Wetterextreme führen heute schon entlang des Flusses zur Überschwemmungen. Da es nicht genügend Wasser-Reservoirs zum Speichern der bei diesen Starkregen ablaufenden Wassermassen gibt, wird das Wasser ausgerechnet im Sommer, wenn der Bedarf am höchsten ist, knapp. Dies konnte 2007 in Ankara beobachtet werden. Am Kızılırmak gibt es zur Wasserspeicherung insgesamt 12 Staudämme, und nach dem Dürrejahr 2007, in dem die Türkei unter extremem Wassermangel zu leiden hatte, wurde 2008 die 125 km lange, stark umstrittene Trinkwasserpipeline vom Kızılırmak nach Ankara in Betrieb genommen. Außerdem wird die Großstadt Kayseri mit Kızılırmak-Wasser versorgt.

Die Wasserreinheit hat insgesamt eine negative Entwicklungstendenz. Durch die Zahlreichen Staudämme ist die Fischwanderung weitgehend unterbunden. Das Wasser des Flusses wird neben der Nutzung als Trinkwasser v.a. für landwirtschaftliche Nutzung abgezweigt, dazu kommt industrielle Kühlung.

Der Klimawandel wirkt sich in der Region insbesondere dadurch aus, dass Niederschlag auch im anatolischen Hochland künftig eher als Regen fällt. Er erreicht daher den Fluss rascher und heftiger. Die Pufferfunktion von Schnee wird zusehends reduziert.

Der Kizilirmak in  der Türkei


Welche insgesamt negativen Tendenzen sind am Kızılırmak beunruhigend?

Zunächst ist die Vertreibung von Anwohnern aufgrund von Staudammbau zu nennen.
Außerdem ist Abwasser in türkischen Flüssen eim großes Thema. Nach dem türkischen Ministerium für Umwelt und Forst (Cerve ve Orman Bakanligi) leiten 98% der Industrieunternehmen in der Türkei Abwässer ungeklärt in Flüsse, Seen und das Meer.

Im Südosten Europas werden die Dürren nach Voraussagen des IPCC häufiger werden. Durch die steigende Verdunstung bei höheren Temperaturen wird die Türkei in den kommenden 50 Jahren wahrscheinlich vor denselben Problemen wie derzeit der Nahe Osten stehen: Wasser könnte zur Mangelware werden. Durch den Mangel an Wasser und den sinkenden Wasserstand in Flüssen werden die Schadstoffkonzentrationen der Flüsse ansteigen und somit die Trinkwasserversorgung gefährden. Dazu könnten die bestehenden Frischwasserquellen in Zukunft mehr und mehr versalzen, was zu einer weiteren Verknappung des Wassers führen würde. Durch die steigenden Temperaturen wird gleichzeitig der Verbrauch an Frischwasser erhöht.  

Alle Nutzungsformen haben zumindest gewisse negative Nebeneffekte: Die landwirtschaftliche Nutzung schadet durch den Phosphateintrag des abfließenden Oberflächenwassers; die Wasserspeicher durch die Vernichtung von Uferzonen und Feuchtgebieten; die Energieerzeugung (Yamula-, Hirfanlı-, Kesikköprü-, Altinkaya-, Derbent-Stausee) durch den massiven Dammbau. Die Abzweigung von Trinkwasser zur Versorgung der Großstädte Ankara (über eine 125 km Pipeline) und Kayseri schadet durch die teils drastische Verringerung der Durchflussmenge und des Sedimenttransportes. Überdies schädigt die meist ungeklärte Einleitung von Abwässern die Qualität des Wassers erheblich.

Die steigende Wasserverschmutzung durch Abwasserableitung und durch Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft ist ein grundlegendes Problem (fehlende Kläranlagen), das erst ganz langsam angegangen wird. Die Küsten erodiert im Deltabereich, weil die Sedimentfracht, die das Delta bildete, durch die Staudämme zurückgehalten wird. Dies ist ein Problem sowohl für das Naturschutzgebiet im Delta als auch für die Landwirtschaft. Die Staudämme füllen sich hingegen mit dem Sediment und Geröll auf und verringern so die Speichervolumen rasch. Die Überfischung und die Zerstörung der Artenvielfalt durch Bau von Wohnanlagen ist ein weiteres Probleme in der schnell wachsenden Türkei.

Verlauf des K?z?l?rmak
Verlauf des Kızılırmak; Quelle: wikipedia.org

Was wird getan?

Eine wesentliche Funktion des Flusses ist der Nachschub für die Wasserspeicherung durch die zahlreichen Staudämme. Doch die Maßnahmen, die hier ergriffen werden sind ein zweischneidiges Schwert. Entlang des Flusses bestehen12 Staudämme. Diese sind Imranli, Yamula, Bayranhacili, Hirfanli, Kesikköprü, Kapulukaya, Bugra, Obruk, Dutludere, Boyabat, Altinkaya und Derbent.  Sie dienen neben der Wasserspeicherung zur Energiegewinnung und zur Bewässerung. Diese Dämme haben für den Menschen kurzfristig positive Auswirkungen, jedoch teils üble Folgen für die Artenvielfalt. Wichtig ist daher vor allem die Erhöhung der Wasserqualität durch die Reduktion von ungeklärter Einleitung, d.h. der Bau von Kläranlagen sowie die Erweiterung von ausgewiesenen Naturschutzgebieten, nicht nur im Delta. Der Artenschutz kommt langsam voran, z.B bei der Sandrose.

Der Bau von Kläranlagen hat für die Gesundheit des Flusses eine zentrale Funktion. Hier ist vor allem die Kayseri-Kläranlage zu nennen, die mit Unterschützung durch die KfW und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen entwickelt wurde. Die KfW hat hier zwischen 1996 und 2005 ein Wasserversorgungsprojekt und ein Abwasserentsorgungsprojekt durchgeführt. Dafür wurden im Rahmen der deutsch-türkischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit insgesamt 55 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Abwasseranlage gilt als Musterprojekt und als Anstoß für künftige Projekte dieser Art in der Türkei. Sie verbessert unmittelbar die Umweltbedingungen gemäß EU-Standards, da sie auch vorgereinigte Industrieabwässer reinigt. Alle Abwässer fließen so gereinigt in den Fluss. Das Projekt ist außerdem vorbildlich bei der Wasserverlust reduzierung und bei der administrativen und betrieblichen Kapazitätsförderung. Heute kann hier sogar das Personal anderer türkischer Kommunen ausgebildet werden.

Wo auf der klimaroute gibt es einen Bezug zum Kızılırmak? Am ehemaligen Strommast in Bürgel entsteht ein überdimensionales Vogelnest, das sich direkt auf den Kızılırmak bezieht. Die Themenzuordnung dort sind: Tiere am Fluss, mit einem Schwerpunkt auf Vogelpopulationen und Vogelschutz.