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August: Prof.  Bertsch

Bertsch
 

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Gedanken im Fluss
 

 

Interview mit Prof. Georg-Christoph Bertsch, das für das Journal "Regionalpark" der Regionalpark RheinMain SÜDWEST GmbH geführt wurde

Wie lassen sich die Auswirkungen der Erderwärmung auf Flussregionen veranschaulichen? Ist der komplexe Zusammenhang mit dem Klimawandel auch Laien verständlich vermittelbar? Designer der Fachrichtungen Industrie- und Kommunikationsdesign der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) haben Ideen für neun Klimastationen am Main entwickelt. Jede nimmt Bezug auf eine von neun Flussregionen der Welt, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. Verdeutlicht wird außerdem die weltweite Abhängigkeit. Prof. Bertsch hat im Rahmen seiner Honorarprofessur die inhaltliche Idee vermittelt und moderiert.

Journal: Herr Prof. Bertsch was hat Sie am Thema Klimaroute gereizt?

Bertsch: Ich liebe die Welt auf der wir leben. Wenn man die Augen aufmacht, sieht man: Sie ist wunderschön. Aber dieses Wunder ist sehr zerbrechlich. Zur Zeit wird übel auf unserem Globus herumgetrampelt. Das mag ich überhaupt nicht.

Prof. Bertsch

Es gibt ein Netzwerk von 170 Designhochschulen, genannt »Cumulus« (International Association of Universities and Colleges of Art, Design and Media). In diesem Netzwerk habe ich auf unserer Konferenz in Shanghai September 2010 die Global Water Arbeitsgruppe gegründet. Diese Fachgruppe soll helfen unsere Disziplin, die Produktgestaltung, mehr an das Thema Wasser heranzubringen. Wasserkreislauf und Klimawandel sind untrennbar verbunden. Solch eine kollektive Herausforderung wie den Klimawandel hatte die Menschheit noch nie. Davor darf man sich nicht verstecken. Das muss man anpacken. Hier ergeben sich fantastische Möglichkeiten und Chancen für Gestalter. Die Klimaroute kam mir daher wie gerufen.

Journal: Wie haben Sie das Projekt  an der Hochschule für Gestaltung eingeführt?

Bertsch: Süßwasser ist in meinen Augen ein zentrales makro-ökonomisches und sozio-ökologisches Thema der nächsten Jahrzehnte. Ich habe daher an internationalen Hochschulen seit nunmehr 6 Jahren Seminare und Symposien zu Wasser und Design abgehalten. Seit ich an der HfG bin, führe ich diese Projekte stets zusammen mit meiner geschätzten Kollegin Prof. Petra Kellner durch. Die besondere Kompetenz von Design in diesem Themenfeld ist in unseren Augen das Über-den-Tellerrand-Schauen. Das ist so eine Art Berufskrankheit von Designern, allerdings eine nützliche. Und beim Thema Klimawandel und Flüsse muss man interdisziplinär arbeiten.

Journal: Die Reaktion der Studierenden?

Bertsch: Für die Studenten war das Thema der Klimaroute wegen meiner mehrjährigen Arbeit am Thema Wasser nicht neu, doch die enorme Komplexität von »Klimawandel und Flüsse« hat anfangs zu einigem Stöhnen geführt. Um im Kreise der Fachgremien des Gesamtprojekts ernst genommen zu werden, musste auch ich erst einige Dutzend Bücher über Flussbiologie, Wasserbau und Klimatologie durcharbeiten. Mittlerweile haben wir jedoch eine Gruppe von Designerinnen und Designern zusammengeschmiedet, die sich in dem Thema verflixt gut auskennen.

Journal: Wie stellen Sie über das Thema Flüsse eine Verbindung zum Klima her?

Bertsch: Flüsse sind – wenn sie gesund sind – die quicklebendigen Hauptschlagadern des weltweiten Süßwassersystems. Der Klimawandel wirkt sich ganz direkt quantitativ auf die von Gletscherwasser gespeisten Flüsse aus. Wassertemperaturen und damit etwa Laichbedingungen für Fische sind ebenfalls davon betroffen, um nur zwei von tausend Themen zu nennen. Aber dazu schauen Sie besser auf www.klimaroute.de nach. Das würde hier zu weit führen.

Journal: Wie war die Reaktion der beteiligten Städte auf die Ideen der jungen Designer und Designstudenten?

Georg-Christoph Bertsch

Bertsch: Wir haben äußerst positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den kommunalen Körperschaften sowie den Planungs- und Genehmigungsbehörden gemacht. Für die Studenten und die diplomierten Gestalter, Abgänger der HfG Offenbach, die hier mitarbeiten, ist die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Kommunen und Körperschaften wertvoll. Ich möchte hier, stellvertretend für die gute Zusammenarbeit mit allen Institutionen, die übergreifende Arbeit von Frau Münster-Voswinkel, Stadt Offenbach, sowie Herrn Henke vom Regionalverband hervorheben.

Journal: Am 13. Januar ist die Webseite: www.klimaroute.de  ans Netz gegangen. Der Regionalverband hatte Sie beauftragt, diese zu gestalten und redaktionell aufzubauen. Wofür steht diese Webseite?

Bertsch: Diese Website ist ein Hybrid aus Arbeitsplattform und Informationsmedium für den Bürger. Sie soll auf möglichst einfache Art und für verschiedene Interessenlagen Verständnis für dieses komplizierte Thema schaffen. Vor allem soll sie viele Bürger, Politiker, Fachleute zu Wort im O-Ton kommen lassen und zwar in Form durchdachter, durchgearbeiteter und gut redigierter Texte und Interviews.

Journal: Wie kann man sich einbringen?

Bertsch: Sie können uns anrufen und Hinweise auf alles Mögliche geben, das mit Flüssen und Veränderungen an Flüssen zusammenhängt. Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Main, dem Rhein, der Loire oder dem Nil interessieren uns auch sehr. Oder Ihre Erfahrungen mit Klimaverschiebungen. Gerade ältere Mitbürger sind sehr nützlich für uns. Sie überblicken lange Zeiträume. Oder schicken Sie uns Bilder von Flüssen – von Gutem und Schlechtem, das Sie gesehen haben an folgende Mailadresse: bertsch@hfg-offenbach.de.
Wir schauen, ob wir sie verwenden können, insbesondere ob sie helfen bestimmte Phänomene zu illustrieren. Bezahlen können wir leider nichts dafür, aber Ihr Name wird genannt, wenn Sie möchten. Vielleicht machen wir auch ein Interview mit Ihnen. Sie können an den Stationen selbst Aktionen entfalten.

Journal: Was sind die nächsten Schritte?

Bertsch: Das Projekt untergliedert sich in 1. die Erörterungen der Planer zu den planerischen Konsequenzen des Klimawandels, die maßgeblich über den Regionalverband organisiert werden, 2. die Kommunikation des Gesamtprojektes, zu der auch die Website gehört und 3. die Informationsstationen entlang des Mains. Die ingenieurtechnischen Planungen zu diesen Stationen, sowie die Ausarbeitung der Details erfolgt jetzt im Winter und Frühjahr, teils auch zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst, der uns inhaltlich unterstützt und natürlich zusammen mit den Kommunen. Die Politik muss auch noch das Eine oder Andere genehmigen. Dann wird gebaut. Wir hoffen in 2012 die erste Ausbaustufe fertig zu haben. Ab jetzt geht es mir darum, weitere Partner in das Projekt mit reinzuholen. Da bin ich bereits am Wirbeln und recht zuversichtlich.

Journal: Wir danken für das Gespräch

Die Fragen stellte: Jochen Schaab, Kelsterbach


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