Volltextsuche

Quicknavigation

Externer Link: Zu Twitter   Externer Link: Zu Facebook

Flüsse - ein eigener Kosmos

Amazonas
 

Heftige Klimawandler

CO2-Schleuder Internet

Internet und CO2
 

Gespräche mit Bürgern

05b_Guenther_Buerger
 

Positionen & Visionen

August: Prof.  Bertsch

Bertsch
 

Seiteninhalt

Heftige Klimawandler
 

Klimakiller Shrimpscocktail

CO2-Schleuder Internet

CO2nsum - Was hat unser Kaufverhalten mit dem Kimawandel zu tun?

Ersticken unsere Wände unter der Wärmedämmung?

Gut genährt!

Alte Betonköpfe und neue Betonkochtöpfe

Ene mene Muh, was emittiert die Kuh?



März 2012

Klimakiller Shrimpscocktail

Shrimps bzw. deren Produktion haben einen enormen CO2-Fußabdruck. Berechnungen gehen davon aus, dass bereits 100g Shrimps so viel CO2 verursachen, wie die direkte Verbrennung von 90 Litern Benzin. Diese hohe Zahl kommt nicht durch die reine Herstellung zustanden, sondern auch durch vor- und nachgelagerte Prozesse, wie etwa der Rodung von Mangrovenwäldern oder den Transport um die halbe Welt.

Diese Zahlen stammen von Ökologen der Oregon State University in Corvallis und wurden beim Jahrestreffen der "American Association for the Advancement of Science" vorgetragen.

Vor allem in Mittel- und Südamerika, aber auch in Asien werden verstärkt Mangroven gerodet, um die sogenannten Garnelenfarmen zu errichten. Dabei ist schon seit längerem bekannt, dass gerade Mangroven sehr wichtig in der Ökologie sind. Sie bieten nicht nur Schutz für Tierarten, sondern sind gleichzeitig ein guter Schutz vor Überschwemmungen und Flutwellen. Außerdem, sind sie wie alle Wälder der Erde hervorragende CO2-Speicher. Man schätzt, dass bei der Umwandlung von Wäldern in Farmen ca. 401 Tonnen Kohlenstoff bzw. 1.474 Tonnen CO2 pro Hektar freigesetzt werden. Weitere Artikel zum Thema Mangroven und ihre Notwendigkeit finden Sie bei
n-tv.de: “Ökologisch wertvoll - Mangroven helfen beim Klimaschutz“,
Frakfurter Runfschau online: “Salzpflanzen - Mangroven helfen beim Klimaschutz“,
pressetext.com: “Shrimps gefährden die letzten ökologisch intakten Mangroven“.

Shrimps: Umweltkosten deutlich über Marktpreis (Foto: Flickr/DinnerSeries)

Im Vergleich zu Rindfleisch aus gerodeten Amazonaswäldern, verursachen Garnelen aus gerodeten Mangrovenwäldern 10mal mehr Kohlenstoff. Das liegt u.a. daran, dass ein Farmer durchschnittlich 1.65 t Garnelen in 5 Jahren erwirtschaften kann. Die Zahl kommt dadurch zustande, dass durch die Zucht eine starke Anhäufung von Bodenschlamm und giftigen Sulfaten gibt, die die Weiterzucht in dem Bereich unmöglich machen. Dadurch wird es attraktiv einfach ein wenig weiterzuziehen, an andere bzw. neue Stellen, an denen die Qualität des Bodens und Wassers (noch) gut genug ist, um erneut eine Garnelenfarm aufzubauen.

Aber auch bei den Farmen gibt es Unterschiede. Es gibt große Farmen in Südostasien, die gemessen an ihrer Größe nicht sehr produktiv sind. So werden in diesen teilweise (nur) 50 bis 500 kg pro Jahr produziert. Dazu gehören auch Farmen auf gerodeten Mangrovenwäldern, sagen einige Forscher. Farmen, die nicht auf Mangrovenwäldern errichtet wurden, haben zum Teil viel höhere Erträge und zudem oft auch einen geringeren CO2-Fußabdruck, betonen Forscher. Stellt sich die Frage, ob man nicht generell auf eine Zucht fernab von Mangrovenwäldern umstellen sollte.

Hier noch ein Link zum Konferenzbeitrag der Gruppe um Boone Kauffman, die sich dem Thema annahmen.

Quelle: http://www.pressetext.com

nach oben


Februar 2012

CO2-Schleuder Internet

Fast jeder hat es. Fast jeder nutzt es – das Internet. Bei uns fast schon eine Selbstverständlichkeit, wie Strom oder fließend Wasser. Die Zahlen der Internetnutzung der Bevölkerung in Deutschland variieren zwischen 50% und fast 80% [1]. Das hängt damit zusammen, das die exakten Teilnehmerzahlen nur schwer ermittelbar sind. Das liegt u. a. daran, dass z.B. mehr Menschen einen Anschluss teilen oder auch der Zugang via mobilen Geräten mit Internetzugang erfolgt. Die Zahlen schwanken auch entsprechend dem Alter der Nutzer. So haben jüngere Nutzer einen höheren Prozentsatz bei der Nutzung als ältere Bevölkerungsgruppen [2]. Ebenfalls kommt es darauf an in welcher sozio-ökonomischer Lage sich die jeweilige Nutzergruppe befindet [3]. Ein voraussichtliches Ende des Trends ist nicht in Sicht. Stattdessen steigt wohl die Zahl der Nutzer jährlich, und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und auf dem gesamten Globus. Weltweit sollen 16,9% [4] der Weltbevölkerung Zugang zum Netz haben. Aktuellere Zahlen gehen davon aus, dass mittlerweile 2 Milliarden Menschen weltweit online unterwegs sind.

Karte des Internets

"Landkarte" des Internets (weltweit); Quelle: www.opte.org

Wichtig zu erwähnen ist, dass dies keine genauen Zahlen sind. Die Art der Erhebung, das Interesse Dahinterstehender und die rasante Entwicklung erschweren eine genaue Aussage. Daher sollte man die Zahlen nicht für gänzlich objektiv halten und auf jeden Fall genau betrachten und hinterfragen. Fest steht aber, dass das Internet in vielen Bereichen des Lebens eingreift und nicht mehr wegzudenken ist. In anderen Teilen der Erde, in der noch kein breiter Zugang besteht, wird intensiv daran gearbeitet das auszugleichen. Wie dies geschieht und dort die Entwicklungen aussehen ist ein anderes Thema und würde hier den Rahmen sprengen.

Doch was hat das Internet mit dem Klima zu tun? Eine ganze Menge! Schätzungen gehen davon aus, dass das Internet ebenso viel CO2 ausstößt, wie der gesamte Flugverkehr [5] weltweit. Zwar gibt es energiesparende Hardware, wie etwa das Gerät an sich oder der Bildschirm, dennoch braucht das Internet Unmengen an Energie, um den Ansprüchen der Nutzer zu entsprechen. Dabei braucht jede Suchanfrage Energie – und jeder weiß für sich selbst, wie oft er etwas „googlelt“. Selbstverständlich gilt das nicht nur für Google allein, sondern für das gesamte IT-Netzwerk (Industrie + Internet), das seinen Teil zur weltweiten Emission beträgt. Das Internet ist in erster Regel darauf ausgelegt schnell zu sein, um die gewünschten Information schnell bereitzustellen. Eine Suchanfrage legt oft hunderte oder auch tausende von Kilometern Strecke zurück, bevor die passende Antwort gefunden wird. Es geht hierbei nicht um den kürzesten, sondern den schnellsten Weg. Es gibt Schätzungen, die von 1 bis 10 Gramm CO2-Ausstoß pro Suchanfrage ausgehen [6], je nach dem was für einen PC man besitzt, welche Infrastruktur vor Ort herrscht, wie das generelle Online-Verhalten aussieht usw.

Es gibt Bemühungen den Energieverbrauch und den damit verbundenen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ein Beispiel wäre der Suchanbieter Blackle. Er versucht Energie zu sparen, indem er nicht weiß als Standardhintergrund für seine Webseite nimmt, sondern schwarz. Denn schwarz darzustellen würde den Bildschirm weniger Strom kosten als weiß. Auf der Webseite gibt es einen Zähler, der anzeigt, wie viel Wattstunden seit Inbetriebnahme eingespart werden konnten. Nämlich 2.959.518.629 (Stand 20. Feb. 2012, 11:45 Uhr).

Blackle
Startseite blackle.com; Quelle: www.blackle.com

Alle sprechen vom Energiesparen, aber kaum einer denkt dabei auch an das Internet. Wie bei uns und in anderen Teilen der Welt wächst der Hunger nach Energie bzw. Zugang zum Internet. Man hat sich dennoch dazu entschieden das Internet „grün“ zu machen. Wie und mit welchen Mittel genau steht noch nicht richtig fest. Es gibt mittlerweile viele Klimakonferenzen, die das Internet zum zentralen Thema machen und ein Umdenken fordern. Zudem wird wohl auch fleißig geforscht, um energieeffizientere Technologie zu entwickeln.

Durch dieses noch relativ junge Phänomen, das Internet und die Selbstverständlichkeit, die sich entwickelt hat, ist es noch nicht bei den Menschen angekommen, dass auch das Netz viel CO2 ausstößt und somit das Klima negativ beeinflusst. Jeder will es nutzen, jeder möchte gern einen Zugang haben, aber leider ist uns das Internet als klimaverändernder Akteur nicht bewusst. Wir hängen in Gedanken immer noch sehr an dem luftverschmutzenden PKW und Konsorten fest. Denn dort lässt sich der Ausstoß beobachten. Wie können sehen, wie Abgase das Auto verlassen und in die Luft entweichen, den Computer bzw. das Internet sehen wir nicht irgendetwas ausstoßen, zumindest nichts Direktes. Ein Um- und Weiterdenken ist zwingend erforderlich.

Wenn Sie sich ein paar Anregungen holen möchten, schauen Sie sich doch mal folgende Seiten an. Auf der ersten finden Sie Tipps, wie Sie energiesparender den PC und dazu gehörende Geräte nutzen können [7] .
Möchten Sie am Arbeitsplatz oder im büro Energie sparen, können Sie sich gerne auch diese Tipps in Andis Energiesparblog anschauen [8].

Wie man sehen kann wurde für diesen Text ebenfalls viel im Internet recherchiert und es gab mehr als nur zwei Suchanfragen, die durchgeführt wurden. Stellt sich die Frage ob man nicht auch etwas am Nutzungsverhalten ändern sollte, oder ob man alles der energieeffizienten Technologie überlässt. Diese und weitere Fragen werden wohl noch ausdauernd diskutiert werden (müssen), auch wenn man sich noch nicht so stark gezwungen sieht, sich ihnen zu stellen.


[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-68-Prozent-der-erwachsenen-Deutschen-sind-online-135011.html

[2] http://www.golem.de/0708/53966.html

[3] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,474402,00.html, http://www.golem.de/0705/52216.html

[4] http://www.internetworldstats.com/stats.htm

[5] http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article1203605/Das_Internet_ist_der_wahre_Klimakiller.html

[6] http://www.onlinekosten.de/news/artikel/32737/0/CO2-Schleuder-Google-Suche

[7] http://reset.to/act/energiesparen-am-computer

[8] http://blog.andi-bernhard.de/energiesparen-im-buro-bildschirm/

nach oben

 

November 2011

CO2nsum - Was hat unser Kaufverhalten mit dem Klimawandel zu tun?

Eine ganze Menge. So könnte eine knappe Antwort lauten. Derart einfach sollte man es sich allerdings nicht machen. Das Ausmaß der sogenannten Klimabilanz eines Produktes endet nicht mit dem Kaufzeitpunkt. Meist spielt die Produktnutzung ebenfalls eine gravierende Rolle bei der Berechnung des Fußabdrucks, während bei der Produktentstehung mehr beachtet werden muss, als der durchschnittliche Konsument vermuten würde. Da gibt es den Ausstoß durch Rohstoffgewinnung, die Emissionen der eigentlichen Produktion oder gar das CO2, das durch den Gang zum Supermarkt verursacht wird.

Durchschnittlich produziert jede/r Deutsche/r jährlich 11 Tonnen des Treibhausgases. Zum Vergleich: In Indien ist es 1 Tonne pro Kopf, in Amerika sind es 20. Hochgerechnet auf die gesamte Erdbevölkerung, fallen jährlich 4 Tonnen pro Kopf an.

Nun könnte man diese hohen Werte problemlos auf die deutsche Industrie abschieben, doch muss man sich im Klaren sein, dass der Konsum mit 2,7 Tonnen pro Kopf den größten Teil des persönlichen CO2 –Verbrauchs ausmacht.

Es gibt wohl kaum einen deutschen Bürger, der seinen Konsumbedarf komplett mit nachwachsenden Rohstoffen decken kann und man in dem Fall von Klimaneutralität sprechen könnte. Das heißt, dass die Produktion des jeweiligen Guts nur soviel Kohlenstoffdioxid emittiert hat, wie die entsprechende Pflanze selbst aus der Atmosphäre gebunden hat. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Beispielsweise ist ein langarmiges weißes T-Shirt aus Baumwolle, ein nachwachsender Rohstoff, vordergründig wohl klimaneutral. Es hat im Hinblick auf dessen gesamte Lebenszeit allerdings einen CO2-Ausstoß von ca. 11 Kilogramm. Das ist das 50-fache des eigenen Gewichts. Wo diese Emissionen im Einzelnen herkommen?

Herstellung: 3 kg 28%
Gebrauchsphase: 3,3 kg 31%
Baumwollanbau: 1,3 kg 12%
Abbildung im Versandkatalog: 1,5 kg 14%
Transport, Verpackung, Entsorgung: 1,9 kg 15%

Solche Beispiele gibt es zuhauf. Weiter geht es mit PCs, deren Nutzungsphasen 50% des gesamten CO2-Ausstoßes verursachen, und somit insgesamt über einen Zeitraum von fünf Jahren 700 kg des Gases verursachen oder mit Flip-Flops, die 20 kg, Jacken, die 30 kg, oder ledernen Wanderschuhen, die 55 kg emittieren.

Eine Plattform im Internet, getragen von verschieden Instituten, versucht hier nun, gemeinsam mit Partnern aus der Industrie, Klarheit zu schaffen. Auf der Plattform Klimaverträglicher Konsum Deutschland können Unternehmen die Ökobilanz ihrer Produkte untersuchen. Das Gute: Der Verbraucher kann die Ergebnisse sichten und sich selbst ein Bild von der Klimafreundlichkeit der Ware machen.

Wer nicht nur die Ökobilanz einzelner Produkte ermitteln möchte, der kann sich eine gesamte CO2-Bilanz seines Lebensstils berechnen. Unter dem Stichwort CO2-Rechner finden sich im Internet zahlreiche grobe oder genauere Möglichkeiten, die eigene Ökobilanz herauszufinden.

Der Konsum welcher Güter zu welchem Teil die Jahresemissionen des deutschen Durchschnittsbürgers ausmachen zeigt folgende Tabelle:

Konsum: Jahresemission CO2 –Äquivalente pro Kopf (Durchschnitt Deutschland)
Quelle: „Bin ich eine Klimasau?“, Klaus Füsser, Riemann 2008
Bereich
Anteil in Prozent
 Menge in Tonnen CO2 Einfluss-Möglichkeit
 Baumaterialien  30  0,8  mittel
 Fahrzeugkauf  12  0,3  sehr groß
 Möbel/Haushaltsgeräte  12  0,3  bis zur Grundversorgung sehr gering, dann sehr groß
 Bekleidung  12  0,3
 Persönlicher Bedarf: Kosmetik, Genussmittel, Bücher, Schreibwaren u. a.  17  0,5
 Freizeit und Unterhaltung  17  0,5  sehr groß
 Summe  100  2,7  45% Reduzierung

Doch entscheidend ist, wie kann ich meine Klimabilanz verbessern? Wie wirke ich persönlich dem Klimawandel entgegen. Eine banale Antwort ist natürlich der Verzicht auf nicht dringend notwendige Konsumgüter. Aber das allein kann nicht die Antwort sein.
Man muss sich im Klaren sein, dass die Klimabilanz nicht der einzige Faktor ist. Da z.B. Transporte nicht wesentlich ins Gewicht fallen, kann es sein, dass neuseeländische Äpfel eine bessere Ökobilanz besitzen als regionale, obwohl es Herbst ist. Hier muss man sich entscheiden, ob man nicht doch die regionale Wirtschaft unterstützen möchte.
Bleiben wir aber beim CO2. Wer ganz genau hinschaut, muss sich auch die Stromversorgung des Herkunftslandes anschauen. Das gleiche Produkt, einmal hergestellt in China mit Strom vorwiegend aus Kohle, einmal hergestellt in Frankreich mit Strom vorwiegend aus Atomenergie, wird aus Frankreich eine bessere Bilanz besitzen.

Haus

Es scheint schwer, solche Faktoren immer im Kopf zu behalten. Deshalb hier ein paar wesentliche Tipps, wie man seine persönliche Klimabilanz aufpolieren kann:
(EKJ: Einsparungen pro Kopf pro Jahr in Tonnen)

Tipp1: zu Hause

  • Platz geschickt aufteilen und damit Wohnfläche sparen (EKJ: 0,2)
  • Nachwachsende Rohstoffe verwenden und damit zum Kohlenstoffspeicher werden (EKJ: 0,3-0,4)
       Holz anstatt Metall, Beton oder Kunststof
       Hanf, Flachs oder Zellulosedämmplatten anstatt Styropor und Mineralfasern
  • Natürliche Materialien verbessern auch das Klima in ihrer Wohnung

Tipp 2: Haushaltsgeräte

  • Energieeffiziente Geräte bevorzugen, auch wenn sie meist teurer sind. Unter Einbeziehung ihrer Lebenszeit, hat man die Mehrkosten bald wieder raus.
  • Elektrogeräte teilen. Rasenmäher, Fitness-Geräte oder Wäschetrockner kann man gut gemeinsam nutzen.


Tipp 3: Holz

  • Tropenholz vermeiden! Heimische oder skandinavische Hölzer schützen das Klima. (EKJ: 0,08 bei Verzicht auf 50 kg Tropenholz aus nicht nachhaltiger Forstwirtschaft)
  • Wenn importiertes Holz erworben wird, auf das FSC-Siegel achten.
  • Recyclingpapier oder wenigstens kein chlorgebleichtes Papier verwenden. (0,1 bei Verwendung von Recyclingpapier statt Normalpapier)
  • „Bitte keine Werbung“ auf dem Briefkasten schont die Ressourcen

Holz

Tipp 4: Freizeit

  • Das zu Hause als Treffpunkt, anstatt Kneipen und Restaurants
  • Regionale Ausflugsziele bevorzugen
  • Klimaneutrale Beschäftigung wie Radfahren oder Wandern

(EKJ: 0,2 bei mehr selbst organisierter Freizeit)


Tipp 5: Auto

  • Die Anschaffung eines umweltfreundlicheren Neuwagens lohnt sich für den Durchschnittsbürger auf Grund des Materialverbrauches aus Sicht des Klimaschutzes nicht (EKJ: 0,1 pro Jahr verlängerte Fahrzeugnutzung)
  • Vielfahrer ab 24000 km/a sollten eine eigene Kalkulation machen

Verkehr

Tipp 6: Weiteres zu Produkten

  • Bei Kleidung auf ökologische Produktion achten (EKJ: 0,1)
  • Jeder Kauf von Ramsch- oder Luxusartikeln ist klimabelastend. Ein Produkt sollte seine Aufgabe erfüllen. (EKJ:0,05 je 100 € Ramsch- oder Luxuseinkäufe / 0,03 je 100 € bei Ersatz konventioneller Produkte durch Ökoprodukte)
  • Diverse Produkte im Familien- und Freundeskreis weitergeben
  • Möbel, Kleidung, Bücher oder Haushaltsartikel bei wohltätigen Secondhand-Shops oder Organisationen abgeben (EKJ: 0,1 für weitergegebene oder erworbene Gebrauchtwaren (Neuwert 200 €))

Tipp 7: Ökologische Geldanlagen

  • hierzu gibt es zahlreiche Ökofondanbieter (EKJ: 0,2 je1000 € Investitionssumme Ökofonds, 35 t je 1000 € Investitionssumme Forstwirtschaft)
  • ectopen.de bietet eine seriöser Aufstellung dieser Ökofondanbieter

Eine standardisierte Verbraucherorientierung, wie die Kalorienangabe auf Lebensmitteln, gibt es leider nicht. Welche Emissionen tatsächlich einem Produkt angerechnet werden müssen, ist gesetzlich noch nicht festgelegt. Projekte wie 'Plattform Klimaverträglicher Konsum Deutschland' sind erst im Kommen. Bis eine Standardisierung erreicht ist, ist jeder persönlich gefragt, wie viel CO2 seine Konsumgüter verursacht haben oder noch verursachen werden.

Quellen:  

  • http://www.pcf-projekt.de (Letzter Zugriff 22.Oktober 2011)
  • http://online.wsj.com/article/SB122304950601802565.html (Letzter Zugriff 20.Oktober 2011)
  • http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schwerpunkt/dossiers/klimaschutz/weiterhin-unerfreuliche-co2-bilanz-von-pc- 453960/index.do (Letzter Zugriff 22.Oktober 2011)
  • http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1132215/Bekleidung-durch-die-CO2-Lupe-betrachtet.html (Letzter Zugriff 20.Oktober 2011)
  • http://www.bmu.de/klimaschutz/doc/print/2976.php (Letzter Zugriff 20.Oktober 2011)
  • „Bin ich eine Klimasau?“, Klaus Füsser, Riemann Verlag, 2008

nach oben

 

August 2011

Ersticken unsere Wände unter einer Wärmedämmung?

Einen wesentlichen Anteil an unseren persönlichen CO2-Emissionen hat der Verbrauch von fossiler Energie beim Heizen. Freistehende Einfamilienhäuser haben den höchsten Verbrauch, Passivhäusern mit Sonnenkollektoren den niedrigsten. Die meisten Wohnungen benötigen eine verbesserte Wärmedämmung und ein effektiveres Heizsystem. Hier gibt es ein großes Einsparpotential.

Bei dem Thema Wärmedämmung tauchen jedoch immer wieder die gleichen Fragen auf:
Können Wände atmen? Wird diese lebenswichtige Funktion durch eine Wärmedämmung unterbunden? Verschlechtert sich das Raumklima durch eine Wärmedämmung? Diese Fragen werden immer wieder gestellt. Frau Schneider, von der kostenlosen Energieberatung des Amtes für Umwelt, Energie und Mobilität in Offenbach sagt dazu: „Seit Jahrzehnten wird die Theorie der „atmenden Wände“ von Haus zu Haus getragen und jeder Energieberater, Architekt oder Handwerker wurde schon mit diesen „Argumenten“ konfrontiert.
- „Wenn die Außenwand gedämmt wird, dann kann die Wand nicht mehr atmen!“
- „Wenn die Außenwand gedämmt wird, verstärkt sich die Luftfeuchtigkeit, weil diese nicht mehr durch die Wand nach außen kann!“
- „Wenn die Außenwand gedämmt wird, entsteht ein Klima wie in einer Thermoskanne!“
Was steckt hinter diesen Aussagen? Sicher ist nicht damit gemeint, dass Wände aktiv atmen können, vielmehr geht es um einen Austausch von Luft und Feuchtigkeit von innen nach außen. Die Hausbesitzer wollen sicher sein, dass das Raumklima durch eine Wärmedämmung nicht schlechter wird und das ist verständlich.“

Der erste Irrtum, der den Aussagen zu Grunde liegt, ist die Idee, dass ein Luftaustausch durch die Wand stattfindet. Und das ist falsch. Verputzte Wände sind winddicht! Ist eine Wand winddurchlässig liegt ein Bauschaden vor, der sich durch unangenehme Zugerscheinungen bemerkbar macht. Seitdem Fenster mit Doppelfalz und Dichtungen luftdicht eingebaut werden, entfällt auch die „Lüftung“ über die schlecht eingebauten undichten Fenster, die zu hohen Wärmeverlusten und Zugerscheinungen geführt hatten. Der notwendige Luftaustausch kann nur durch die Fensterlüftung oder über eine kontrollierte Wohnungslüftung erfolgen.

Der zweite Irrtum ist die Idee, dass durch die Wand hindurch Feuchtigkeit transportiert wird. Tatsächlich dringt während der Heizperiode Wasserdampf durch die Außenwand von innen nach außen. Allerdings in so geringem Maße, dass weniger als 1% des nötigen Wassergehalts der Luft aus dem Rauminneren nach außen transportiert wird. Dieser Anteil fällt nicht ins Gewicht. Auch hier ist für den notwendigen Mindestluftaustausch eine Fensterlüftung notwendig. Richtig ist auch, dass die übliche Putzschicht feuchteregulierend ist. Das bedeutet, der Putz nimmt bei hoher Luftfeuchtigkeit Feuchtigkeit auf, und gibt sie bei niedriger Luftfeuchtigkeit wieder ab. Diese feuchtigkeitsausgleichende Funktion findet aber nur in den ersten 8 -13 mm einer Wand statt. Daher werden die Innenputzflächen meistens in einer Stärke von 15 mm ausgeführt. Diese Feuchtigkeitsregulierung ist notwendig, daher sollten gerade in Küchen und Bädern ungeflieste, verputze Flächen vorhanden sein. Dies ersetzt aber keine Lüftung.

Der dritte Irrtum ist die Verschlechterung des Raumklimas durch eine Wärmedämmung. Das Gegenteil ist der Fall. Weder die Luftdurchlässigkeit noch die Feuchtigkeitsregulierung werden verschlechtert. Durch die Außenwanddämmung werden die Temperaturen an der Oberfläche der Innenseite der Außenwände erhöht. Dadurch steigt die Behaglichkeit und die Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Thermografie_Doppelhaus

Die Thermographieaufnahme bringt den Wärmeverlust ans Licht.

Was passiert, wenn eine Außenwand gedämmt wird?
Der Unterschied zwischen einer gedämmten und einer ungedämmten Außenwand lässt sich durch die Thermografieaufnahme eines Doppelhauses gut erkennen. Die rechte Doppelhaushälfte ist gedämmt, die linke nicht. Anhand der Farbskala ist deutlich zu erkennen, dass die Oberflächentemperaturen auf der rechten Seite niedriger sind, als auf der linken. Höhere Oberflächentemperaturen an der Außenseite bedeuten höhere Wärmeverluste.

Durch die Dämmung der Außenwände verringert sich der Wärmedurchgangskoeffizient. Der Wärmedurchgangskoeffizient gibt an wieviel Watt pro Quadratmeter Außenwand bei einem Temperaturunterschied von einem Kelvin verloren geht. Durch eine Außenwanddämmung von 14 cm mit einem Baustoff der Wärmeleitgruppe 035 wird z. B. die Außenwand eines Gebäudes Baujahr 1960 von einem U-Wert von 1,2 W/m²K auf einen U-Wert von 0,24 W/m²K gesenkt. Dieser Wert entspricht den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2009. Das bedeutet, die Wärmeverluste reduzieren sich um 0,96 W/m²K das entspricht ca. 9,6 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr oder einer CO2-Reduzierung von ca. 27 kg pro Quadratmeter und Jahr. Bei einer Nutzungsdauer von 30 Jahren wird neben der Umwelt auch der Geldbeutel des Hausbesitzers geschont.

Nachfragen oder weitere Informationen zum Thema Energetische Sanierung und Energieeffizienz unter Tel. 069/8065-2557 und unter www.offenbach.de

nach oben

 

Juni 2011

Gut genährt!

Klimaschutz in aller Munde – das kann man wörtlich nehmen! Hätten Sie gedacht, dass rund 20 % der jährlichen CO2-Emissionen durch Erzeugung, Verarbeitung, Transport, Vermarktung und Zubereitung unserer Nahrungsmittel verursacht werden? Somit hat jeder einzelne jeden Tag durch seine Ernährung die Möglichkeit, etwas für das Klima zu tun. Und das geht so:

Grundsätzlich gilt: die Produktion von Fleisch, Wurst und anderen tierischen Lebensmitteln wie Milchwaren oder Eiern ist besonders energieintensiv und damit klimabelastend (siehe Klimawandler des Monats Rindfleischproduktion). Laut Verbraucherzentrale Bundesverband sind durchschnittlich sieben Kalorien in Form pflanzlicher Futtermittel notwendig, um eine Kalorie tierischer Lebensmittel zu erzeugen!

Kochkurs Mühlheim Essen

Die Konsequenz für eine klimafreundliche Ernährung in Bezug auf Fleisch- und Milchprodukte kann daher nur heißen: Den Anteil der Ernährung an Rindfleisch, aber auch anderen Fleischsorten, sowie an fettreichen Milchprodukten insgesamt reduzieren oder ab und zu ganz darauf verzichten.

Die folgende Tabelle zeigt die CO2-Emission einiger ausgewählter Lebensmittel
(Quellen: Pendos CO2-Zähler und Klimakochbuch,verändert)

Produktgruppen Produkt
CO2-Emissionen
 
(in g pro kg Lebensmittel)

Fleisch- und
Wurstwaren

Rindfleisch 13.300
Schweineschinken 4.700
Geflügel 3.500
Schweinefleisch 3.250
Milch und
tierische Produkte
Butter 23.500
Hartkäse 8500
Sahne 7.400
Eier 1.950
Quark 1.950
Joghurt 1.200
Milch 940
Obst Äpfel 550
Erdbeeren 300
Backwaren Mischbrot 750
Gemüse z.B. Blumenkohl,
frisch
150

Je nach Lebensmittelart verursacht in kontrolliert-biologischem Anbau erzeugte Ware im Schnitt 5 bis 25% weniger CO2-Emissionen als konventionell hergestellte. Dies erfolgt hauptsächlich durch den Verzicht auf Dünge- und synthetische Pflanzenschutzmittel und eine schonende Bodenbearbeitung. Die Verwendung von biologisch erzeugten Produkten trägt damit ebenfalls zur klimafreundlichen Ernährung bei.

Sich allein an biologischer Erzeugung zu orientieren, ist aber auch nicht die Lösung. Auch der zurückgelegte Transportweg zum Endverbraucher spielt eine große Rolle. Ein Kilogramm Äpfel aus Deutschland verursacht ca. 500 g CO2, kommt dieselbe Menge an Äpfeln z.B. mit dem Schiff aus Chile, verdoppeln sich durch den Transport die CO2-Emissionen. Man sollte darum also beim Wareneinkauf auf die Herkunft achten. Leider gibt es nicht alle Obstsorten in Deutschland. Orangen und Ananas kommen zwangsläufig aus dem Ausland. Die meisten dieser Früchte aus südlichen Ländern wachsen dort jedoch auf dem freien Land, ohne beheiztes Treibhaus, Bananen z.B. reifen während der Überfahrt auf dem Schiff. Die Transportemissionen sind dementsprechend gering. Beim Kauf solcher Produkte sollte man auf biologisch und fair gehandelte Ware achten. Besonders kritisch sind Lebensmittel, die per Flugzeug eingeflogen werden. Dies verursacht Emissionen, die um ein Vielfaches höher sind als der Transport per Schiff.

Kochkurs Mühlheim Zubereitung

Kochkurs in Mühlheim zur klimafreudlichen Ernährung

Zunichte gemacht werden können die guten CO2-Bilanzen von heimischem Obst und Gemüse allerdings auch durch energieintensive Aufzucht im Treibhaus oder lange Lagerung im Kühlhaus. Saisonale Lebensmittel aus der Region sind hier meist im Vorteil, da die Transportwege kurz sind und frisch geerntet wird, lange Lagerzeiten also entfallen. Kauft man im Oktober biologisch erzeugten Spargel aus Deutschland, wird die CO2-Einsparungen durch die Aspekte Bio und Regionalität leider durch die fehlende Saisonalität wieder mehr als zunichte gemacht. Der Spargel lag seit der Ernte im Mai/Juni in Kühlhäusern oder stammt aus beheizten Treibhäusern, was beides einen enormen Energieaufwand und hohe CO2-Emissionen, die diejenigen von Importgemüse übersteigen, verursacht.

Wie komplex die Zusammenhänge sind, zeigt folgende Tabelle anhand verschiedener Produktionswege von Tomaten:
(Quelle: Pendos CO2-Zähler, Öko-Institut; Werte sind Näherungswerte)

Produktionsweg
Erzeugung Transport Kühllagerung bzw. Gewächshaus gesamt
Biologisch erzeugte Tomate aus der Region, September, per LKW 35 230 0 265
Herkömmlich erzeugte Tomate aus der Region, September, per LKW 85 230 0 315
Biologisch erzeugte Tomate aus Übersee, per Schiff 35 570 0 605
Herkömmlich erzeugte Tomate aus Übersee, per Schiff 85 570 0 655
Biologisch erzeugte Tomate aus der Region,
März, per LKW
35 230 9.000 9265
Herkömmlich erzeugte Tomate aus der Region,
März, per LKW
85 230 9.000 9315

Jeder Verarbeitungsschritt der Nahrung verursacht zusätzliches CO2! Vergleichsweise schlecht fällt daher auch die Klimabilanz stark verarbeiteter Lebensmittel wie Tütensuppen oder Tiefkühlpizza aus. Bei Tütensuppen oder Kartoffelknödeln entziehen die Hersteller den Zutaten erst energieaufwändig Wasser, das später bei der Zubereitung wieder zugefügt werden muss. Tiefkühlkost wiederum muss zunächst mit hohem Energieaufwand schockgefrostet und dann zuhause weiter gekühlt werden. Zudem darf die Kühlkette auf dem Weg zum Konsumenten nicht unterbrochen werden. Da können schnell einige hundert oder tausend Kilometer Kühlstrecke zusammenkommen – zulasten der Atmosphäre!

Um die gute CO2-Bilanz von frischem Obst und Gemüse aus der Region nicht auf den letzten Metern zunichte zu machen, empfiehlt der Verbraucherzentrale Bundesverband den Bürgern zudem, beim Einkauf möglichst auf das Auto zu verzichten, das klimafreundlichere Rad oder den Öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen oder zu Fuß zu gehen.

Schließlich ist auch eine sinnvolle Vorratshaltung von nicht unerheblicher Bedeutung: Nach einer Untersuchung des Instituts für Abfallwirtschaft in Wien werden pro Haushalt und Jahr im Schnitt Nahrungsmittel im Wert von 400 Euro weggeworfen, eine unnötige Verschwendung wertvoller Ressourcen. Durch bedachte Vorratshaltung kann man also nicht nur etwas für das Klima tun, sondern auch für den Geldbeutel!

Kochkurs Mühlheim Klimamahl

Kochkurs "Einma(h)l fürs Klima" in Mühlheim

Zusammengefasst ergibt sich damit folgende Kurzfassung:
(nach: Vebraucherzentrale Bundesverband und Klimabündnis Köln, verändert)

klimafreundlicher Einkauf klimabelastender Einkauf

Obst und Gemüse
Fleisch und Milchprodukte
frische und rohe Nahrung tiefgekühlte und verarbeitete Nahrung
frische Kartoffeln getrocknete Kartoffeln und tiefgekühlte Pommes frites
ökologisch erzeugte Nahrung konventionell erzeugte Nahrung
regionale und saisonale Nahrung überregionale und im Gewächshaus angebaute Nahrung
ohne Auto gekaufte Nahrung mit Auto gekaufte Nahrung
Auswirkung:
0,75 t CO2 Gesamtemissionen
Auswirkung:
1,5 t CO2 Gesamtemissionen

Klimafreundliche Ernährung hat einen schönen Nebeneffekt: Sie ist sehr gesund, da cholesterinarm, reich an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Spurenelementen, Mineral- und Ballaststoffen - und macht jede Diät überflüssig.
Und dass klimafreundliche Ernährung auch lecker sein kann, zeigen zahlreiche Rezepte, die unerwartete Genüsse und Geschmackserlebnisse bescheren.

Hier ist ein Beispiel (nach Harry Hirse/Kochatelier Frankfurt):
Apfel-Zwiebel-Schmalz
200 g Zwiebelstreifen
200 g Apfelwürfel
100 g Margarine
Salz nach Belieben

Die Zwiebeln in etwas Margarine anschwitzen, bis sie weich sind. Dann die Äpfel dazugeben und mitdünsten, bis auch sie weich sind. Restliche Margarine dazu, mit Salz würzen, fein mixen und kühlen. Schmeckt lecker auf frischem Bauernbrot!

Zum Weiterlesen:
Das Klima Kochbuch, Herausgeber: Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V, Verlag Kosmos
"Livestocks long shadow" der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)

nach oben

 

Februar 2011

Alte Betonköpfe und neue Betonkochtöpfe

»Ich bleibe im Urlaub lieber zu Hause, statt mit dem Flieger die Gegend zu verpesten«, rühmt sich Frank. »...ich baue mit der Mischmaschine an meiner Gartenlaube.«. »Okay« sage ich, »wenn die aus Ton oder Holz ist.« »Wieso das? Was ist am Zement falsch?« fragt er zurück.

10b_BetoninChina_GB_w

Shanghai: Die Frage ist vielleicht nicht, "was man daraus macht", wie einen Betonkampagnen der Vergangenheit fragte, sondern doch eher aus was man was macht.

Nun, Zement  ist ein ziemlicher Klimakiller und ein relevanter noch dazu. In 2009 wurden weltweit 2,8 Milliarden Tonnen davon produziert! Zement ist heute der Baustoff der Welt, alles andere scheint marginal. Aber wie kommt aus dem Portland-Zement CO2 raus? Den Namen sollte man sich merken – Portlandzement! Seine Hauptbestandteile sind heute Kalzium, Silizium und Aluminium. Die Ausgangsstoffe werden gesintert, d.h. bei hoher Temperatur gebrannt. Als Erfinder gilt Joseph Aspdin, der 1824 das Patent „An Improvement in the Mode of Producing an Artificial Stone“ erhielt. Er nannte seine Erfindung so, weil sie dem Kalkstein der englischen Portlandküste ähnlich sah. Dieser Stoff ist mittlerweile für 5% der globalen CO2-Emission verantwortlich. Beim Brennen des Zements entweicht massenhaft Kohlendioxid. Überdies braucht es auch viel Energie, um die Öfen auf die 1450 Grad Betriebstemperatur zu bringen. Das schiere Ausmaß dieser Emissionen bringt die Industrie unter Zugzwang, seit Emissionsrechte Kosten verursachen. Die österreichische Betonindustrie beschäftigt sich aufgrund dort besonders strenger Umweltauflagen bereits seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema. Daher lohnt es sich, die Ohren in Richtung Alpen zu richten. Dort verlautbart man trocken: „Das verfahrenstechnische Potenzial der CO2-Minderung durch weitere Optimierung von Ofen- und Mahlanlagen ist praktisch erschöpft. Daher kommt neben dem Einsatz sekundärer Brennstoffe insbesondere der Herstellung von Zementen mit mehreren Hauptbestandteilen eine besondere Bedeutung zu.“ Nun ja, man bemüht sich.

10b_Beton_GB_w

Offenbach: Details, dei sich mit Beton bauen lassen, aber nicht nur über Form, auch über das Material muss nachgedacht werden.

Hier sei eine grundlegende Frage eingeschoben: Brauchen wir überhaupt so viel Betonbau? Gibt es grundlegende Alternativen? Könnte man evtl. die Bautätigkeit reduzieren oder die Bautechniken optimieren? Bei diesem Thema treffen innovative Ingenieurtechnik und waches Umweltbewusstsein auf Ideologie: Baukräne gelten als DAS Symbol schlechthin für Wirtschaftswachstum. Mit fast religiöser Verehrung wird ihr Kreisen über den Baugruben gefeiert. Am Potsdamer Platz, Berlin, zelebrierte man am 26. Oktober 96 gar mit einem "Kranballett" das Richtfest für den Daimler/ Debis-Turm: Neunzehn Baukräne tanzten stundenlang zur „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9.. Das waren noch Klima-unbeschwerte Zeiten... An Motto: Viel Betonbau viel Ehr hat sich bis heute jedoch nichts geändert. »Seht, da wächst was. Es boomt. Wirtschaftskraft entsteht.« ist die Botschaft. Einen Paradigmenwechsel bei diesem überkonfessionellen Glaubensbekenntnis zu erreichen darf getrost als Herkulesarbeit gelten. Es ist jedoch genau diese Diskussion, die geführt werden muss: Weniger Wachstum. Langsamer stattdessen intelligenter.


10b_BetonSaoPaulo_GB_w

Beton in São Paulo. Beton geht auch wirklich schön, aber auch hier: zu welchem Emissions-Preis?

Näher liegt es zunächst, eine massive Effizienzsteigerung beim Betonbau zu fordern, bestimmte Großbauprojekte, die zu voluminös sind, nicht zu genehmigen oder den Anteil des Betons an den Baumaterialien zu reduzieren. Zu guter Letzt kommt man jedoch nicht um die Substanz, den Portlandzement, herum.

Die sonst keineswegs betonbaukritische FAZ titelte am 16.1.2011 im Wissenschaftsteil „Leise ergrünt das harte Gestein“. Im Superturm Burdsch als Chalifa (Dubai) seien 330.000 Kubikmeter Beton verbaut worden, dies entspräche der CO2-Jahresproduktion von 10.000 Deutschen. So wird der Text eingeleitet. Der Artikel geht auf zwei wichtige Entwicklungen in der Betonproduktion ein. Zunächst auf die von der Britischen Novacem entwickelte neue Formel, die unter Einsatz von Magnesium nicht nur die CO2-Emission drastisch drückt, sondern zusätzlich bis zu einer 100kg CO2 pro Tonne Zement bindet. Nikolaos Vlasopoulos, der leitende Forscher beim Londoner Start-up fand eher durch Zufall ein neues Verfahren. In einem Versuch ließ er kohlenstoffreichen Portland-Kalkstein weg. Als Wasser in die Magnesium-haltige Ton- und Sandmischung dazukam, erhärtete sich das Gemisch dennoch.“ Die britische Industrie interessiert sich sehr für das Verfahren, bei dem nicht nur kein CO2 emittiert wird, sondern angeblich auch noch 100 kg des Gases pro Tonne Beton gebunden werden können. Beim ebenfalls neuen, in Deutschland entwickelten Material Celitement, wird statt Kalkstein Sand beigerührt. Dabei arbeitet man auf Basis von Calciumhydrosilikaten. Die Herstellungstemperatur sinkt gegenüber dem Portlandzement-Verfahren von 1450 auf 300 Grad Celsius. Es wird also wesentlich weniger Energie beim Herstellungsprozess verbraucht – in der CO2-Bilanz ein echtes Plus. Hier wie bei Novacem wird bei hohem Druck verkocht statt gebrannt, sozusagen in einem Betonkochtopf. Es wird daher weniger Temperatur benötigt aber der Druck, den man zum Kochen braucht, muss ja auch irgendwie geschaffen werden.

Während die Österreicher also gemäß betonmarketing.at untersuchen „wie durch Optimierung des Feinstkornbereichs im Zement (Sieblinie, Kornform, Rauhigkeit der Kornoberfläche) der Klinkergehalt im Zement etwa durch die Zugabe optimierter Kalksteinmehle gesenkt werden kann.“ sind die Briten hinter einem völlig alternativen Herstellungsverfahren her. Celitement vom Karlsruher Institut für Technologie versucht unterdessen durch eine erhebliche Reduktion des Kalksteinanteils voranzukommen.

Es wird also getüftelt, gekocht, gerührt, während weiterhin die Portlandöfen auf Hochtouren brennen. Falls sich die neuen Entwicklungen sich als tragfähig erweisen sollten, heißt das Probleme möglicherweise bald nicht mehr Technologie oder Chemie sondern DIN-Norm. Denn ob „normgerecht zusammengesetzte Betone auch mit diesen neuen Zementen die erforderlichen Frisch- / Festbetoneigenschaften aufweisen und wie bisher verwendet werden können.“ ist noch unklar. Bei positivem Abschluss des Projekts könnte z.B. der österreichische  Zement mit etwa 5 bis 15% geringerem CO2-Ausstoß bei der Herstellung auf den Markt gebracht werden. Das wäre schon eine Menge.

Franks Impuls, statt zu reisen zu bauen, ist dennoch zu begrüßen – denn die paar Kilo CO2, die der Zement seiner Gartenlaube emittiert, sehen ziemlich gut aus neben der satten Tonne, die eine Flugreise etwa nach Portugal in unsere Stratosphäre bläst.

nach oben

 

Januar 2011

Ene mene Muh, was emittiert die Kuh?

»Statt vom Auto auf die S-Bahn umzusatteln, könntest Du einen Burger pro Monat weniger essen« frotzelt Christa. Abgesehen davon, dass ich Burger nicht mag, hat sie natürlich Recht. Zehn Kilometer mit meinem Lancia Y pusten rund 1 kg CO2 raus. 250 Gramm Rindfleisch entspricht jedoch einem CO2-Äquivalent von 3,3 Kilo! Tatsächlich könnte ich also über dreißig Kilometer weit fahren. Damit aber erstmal genug mit Kopfrechnen ...

10f_Kuehe_Weide

„Wieso hacken denn alle auf unseren Kühen rum?“ meckerte mich Elena Muñiz aus Rio de Janeiro an. Gut – ihre Eltern verdienen das Geld für Elenas Designstudium mit Rinderzucht im Mato Grosso. Ihre Frage sei also erlaubt. „Rinder furzen einfach zu viel“ wäre etwas schroff formuliert, aber die Realität geht in diese Richtung. »Unsinn, das Methangas der Kühe entweicht beim mehrfachen Wiederkäuen, also vorne, nicht hinten.« belehrt mich Christa Bauer, die Biologin.

Ein Professor möchte den Kühen nun Pillen gegen Rülpsen verschreiben. Das klingt eher nach Lobby für die Pharmaindustrie als nach einem wirklich nachhaltigen Konzept. Aber es ist zumindest eine Idee. Und heute weiß man, dass sich der Klimawandel nur durch eine Kombinationen tausender Ideen aufhalten lässt, nicht durch die eine revolutionäre Superidee. "Die Methankonzentration hat sich in der Atmosphäre in den zurückliegenden 50 Jahren nach Schätzungen annähernd versechsfacht“ sagt Professor Winfried Drochner vom Institut für Tierernährung der Universität Hohenheim „und trägt nun zu etwa 20 Prozent zum Treibhauseffekt bei". Vier Prozent davon stammt von rülpsenden Kühen. Nun gut.

Zusätzlich werden für die Rindezucht jedoch enorme Flächen benötigt, und gerade in Südamerika werden dafür Wälder gerodet. Ließe man die Bäume stehen, könnten sie CO2 binden, denn Wälder sind so genannte CO2-Senken. Wieso ist dieser Kuhhandel für uns so wichtig? Wegen der Dynamik der Entwicklung. Besonders in den Entwicklungsländern hat sich die Fleischproduktion in den letzten 30 Jahren von 47 auf knapp 150 Millionen Tonnen verdreifacht. Besonders stark stieg dabei die Produktion von Rindfleisch. Bedenkt man, dass für ein kg Rind 13 300 Gramm CO2- Equivalent stehen, für Schweinefleisch aber nur 3 250 Gramm, wird das Problem schnell klar. Und hier kommen wieder mal die Chinesen ins Spiel

Schweinefleisch süss-sauer gilt bei uns als modern, in China jedoch als altmodisch. Daher kann sich allein McDonalds selbstbewusst vornehmen, bis 2013 die Anzahl Restaurants im Reich der Mitte auf 2000 zu verdoppeln. Chinesen essen zusehends mehr Rindfleisch. Der Hamburger ist ein Statussymbol geworden. Nicht alle 1300 Millionen Chinesen wollen einen, aber sehr, sehr viele. Der Rindfleischkonsum stellt gegenüber dem Schweinefleischkonsum ein Problem dar. Aber die Belastung durch Rindfleisch gemessen an den 550 g pro kg Äpfel ist ein Dimensionensprung. Und dieser Quantensprung findet zur Zeit statt. Denn immer mehr Menschen können sich statt Obst und Gemüse Fleisch leisten, eine Kehrseite des wachsenden Wohlstandes der Menschheit.

10f_Kuehe_Delhi

Man muss daher den Gesamtzusammenhang sehen, denn „die Emissionen, welche durch Ernährung verursacht werden, betragen 1,65 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr. Die Emissionen entstehen hauptsächlich bei der Produktion, der Lagerung und dem Transport von Lebensmitteln.“, so das Klimabündnis Köln.   

Was tun? Zunächst kann man Bioprodukte kaufen, da sie zwischen 5 und 25 % weniger CO2-Emission verursachen, vor allem wegen der geringen Düngemitteleinsätze. Dann kann man,  ohne wirklich zu leiden, ein paar Gabeln weniger Rindfleisch essen, denn eine Gabel, 50g, entspricht ganzen 660 g CO2 Äquivalent oder 6 km Autofahrt. Die Rindviecher sind also sehr ernst zu nehmen, wenn es um die Zukunft unseres Klimas geht. „Ich krame erstmal Omas Rezeptbücher wieder raus, in denen Rindfleisch kaum eine Rolle spielte, einfach weil es früher extrem teurer war.“ sagt Annette dazu und wendet genüsslich ein Omelette in der Pfanne. 

Drochner zitiert nach http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-6232-2007-03-16.html

nach oben