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Amazonas (im Oberlauf Rio Solimões)
 

Wetterstation: Manaus
Klimazonen: Ah -> Ash

Niedrigwasser am Amazonas
Amazonas bei Niedrigwasser im Oberlauf


Wieso der Amazonas?
Der Amazonas ist der Fluss der Flüsse. Er bringt pro Sekunde 180.000 m3 in den Südatlantik ein. Er ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und führt mehr Wasser als die nachfolgenden sechs Flüsse zusammen. Das Amazonasgebiet gilt als "Lunge der Erde". Er ist von höchster Relevanz für das Weltklima und die Versorgung der Welt mit Sauerstoff. Aufgrund seines Artenreichtums an Fischen ist er der Stellvertreter für das Thema Leben im Fluss im Rahmen des C-Change-Projektes. Das Amazonasgebiet ist noch immer ein gigantischer Kohlenstoffspeicher.

Was für ein Fluss ist der Amazonas?
Zunächst ist der Amazonas wasserbautechnisch betrachtet ein weitgehend Natur-belassener Fluss. In seinem Einzugsbereich gibt es nur ganz wenige größere Siedlungen und eine Großstadt, Manaus. Die Indianer leben teils noch in isolierten Bereichen im Wald, daher gibt es auch heute noch 150 Indianersprachen, die neben Brasilianischem Portugiesisch und Spanisch gesprochen werden. Es gibt keine großen Dammbauten und auf der gesamten Länge keine einzige Straßen- oder Eisenbahn-Brücke über den Fluss. Er entspringt auf 5.170 Meter Höhe und entwässert 7 Millionen km2 Land. Dennoch leben nur ca. 1.000.000 Menschen in seinem Einzugsgebiet. Er ist eine Welt für sich. Brasilien, Bolivien, Kolumbien und Peru sind Anrainerstaaten. Sein Delta ist mehrere 100 km breit und beherbergt einen sehr großen Artenreichtum. Im Delta befindet sich die 49 000 km2 großen Insel, Marajó. In den Amazonas münden 10.000 Flüsse. Von den 1.100 größeren Flüssen, die in ihn münden, sind alleine 17 über 1.600 Kilometer lang. Bei den großen Hochwässern kann er die angrenzenden Urwälder auf einer Breite von 100 km überschwemmen. Die Wassermenge schwankt jahreszeitlich aufgrund der Niederschläge im Oberlauf stark.

Eine besondere Eigenschaft ist auch der einzigartige Artenreichtum; bisher sind allein 1.500 Fischarten bekannt (im Vergleich: der Main beherbergt 34 Fischarten), mindestens 5.000 werden geschätzt. Es gibt Süßwasserdelfine: den rosa Amazonas-Flussdelfin (Boto) und den grauen Amazonasdelfin (Sotalia). An der tiefsten Stelle (100 m) gibt es, in Flüssen sonst praktisch nicht vorkommende, lichtlose Räume und eine entsprechende Fauna und Flora. Eine eigenartige Besonderheit sind die bis zu 100 Meter langen schwimmenden Inseln, die aus verschlungenen lebenden und toten Pflanzen bestehen. Rochen, Garnelen, Haie, Seekühe und Delfine im Oberlauf stützen die These, dass der Amazonas ursprünglich umgekehrt, also von Osten nach Westen floss und erst durch die erdgeschichtlich relativ junge Auffaltung der Anden vom Pazifik abgeschnitten wurde.

Welche Probleme gibt es am Amazonas?
Das wohl bekanntestes Problem am Amazonas ist die Rodung der Regenwälder. Dieser sozio-ökologische Irrweg wird erfreulicherweise seit Jahren zumindest thematisiert. Dabei fällt der Blick bislang aber mehr auf den Wald und weniger auf den Fluss bzw. die Wechselwirkung zwischen Wald und Fluss. Beide Systeme sind hier jedoch untrennbar, weil der Fluss bei Überschwemmungen teils über hunderte von Kilometern den Wald überschwemmt und dabei wertvolle Sedimente ablagert und zugleich Nährstoffe aufnimmt. Wird der Wald gerodet, funktioniert auch der Fluss nicht mehr wie bisher. Ein weiteres relevantes Thema ist der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln von den nach Rodungen neu angelegten Feldern. Die Auswirkungen des Klimawandels allgemein sind hier deutlich spürbar.

Gebiet und Verlauf des Amazonas
Der Amazonas - "die Lunge der Erde"; Quelle: wikipedia.org

Welche insgesamt negativen Tendenzen sind am Amazonas beunruhigend?
Hauptursache der Vernichtung des Tropenwaldes ist Rindfleischproduktion, rund 70 % des vernichteten Tropenwaldes wurde für Viehweiden genutzt, der Rest für Futtermittelanbau. Rinder brauchen wiederum viel Wasser zur Aufzucht, eben die bekannten 7.500 Liter pro kg Rindfleisch, und sie emittieren massenhaft Methangas, einen extremem Klimakiller. Statt Regenwald, der Sauerstoff produziert, stehen also Rinder in der Landschaft, deren Wasserversorgung mit Rohren und Dieselmotoren gesichert wird und die Methangas produzieren. Also keine wirklich gute Entwicklung. Durch die Rodungen wird die Verdunstungsfunktion der Region gestört, und der Bereich des ehemaligen des Regenwaldes verliert seine Funktion als Wasserspeicher. In der Folge ist es im Gebiet in trockenen Jahren trockener und in feuchten läuft das Wasser sofort ab, was zu teils krassen Hochwässern führt. Eine oft übersehende Folge des Klimawandels in Wechselwirkung mit der Rodung ist jedoch die Verarmung und Isolation der Waldbewohner, vor allem der Indianer in den kleinen Weilern. Fällt der Fluss nämlich trocken, was in den letzten Jahren (zusammen mit tausenden von Waldbränden aufgrund von Trockenheit) häufiger vorkam, sind die Menschen von allem Wirtschaften und allem Austausch abgeschnitten, da sie sich normalerweise ausschließlich auf dem Fluss bewegen. Hier wird wie in einem Brennglas klar, wieso ökologische Probleme stets auch soziale Probleme sind. Im Flusssystem des Amazonas gibt es insgesamt 80.000 km Wasserstraßen, die Grundlage der Ökonomie, die durch die Folgen einer verfehlten Agrarindustrie riskiert wird.
Seit den 60ern gibt es eine statistisch beobachtete Zunahme der Abflussmenge. Durch die Erwärmung des Südatlantiks aufgrund der erhöhten atmosphärischen Durchschnitts-Temperatur erlebt die Region auch außerhalb El-Niño-Jahren immer krassere Schwankungen (Extremdürre 2005 mit 73.000 Waldbränden)

Was sind die größten Fehler?
Massive Rodungen für Viehzucht und Futtermittelanbau. Quecksilbervergiftungen durch 2.000 t Einleitungen seit ca. 10 Jahren; Temperaturanstieg durch Erderwärmung, verminderte Niederschläge; Vertreibung der indianischen Dorfbewohner durch industriellen Sojaanbau. Die Entwicklung kann zum Umkippen des gesamten Gebietes führen, da die Niederschlagsmengen im Becken deutlich sinken. Reduzierte Niederschläge führen zum Absinken des Flussspiegels - Verlust an Lebensräumen; Dörfer nicht mehr erreichbar; Artenverlust. Der Klimawandel führt hier vor allem zu Trockenzeiten und Dürren.

Was wird getan?
Die Organisation Amazon Region Protected Areas (ARPA), unter Federführung der Brasilianischen Regierung, wurde in 2002 mit Unterstützung des WWF gegründet. Ihr Ziel ist der Schutz von mindestens 12 % des Amazonas-Gebietes, ein klägliches Ziel – aber besser als gar nichts.

Wo thematisiert die Klimaroute den Amazonas?
Im Nachenhafen Mühlheim Dietesheim Spundwand. Die Themenzuordnung ist "Fische und Fauna im Fluss".