Wetterstation: Offenbach
Wieso der Main?

Der Main ist zugleich Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt unseres Projektes.
Dieser Fluss hat unsere Region geprägt und mit seinen Sedimenten geschaffen. Er ist eine wichtige Bundeswasserstraße und verbindet als zentrales Stück des Rhein-Main-Donau-Kanals die Nordsee mit dem Schwarzen Meer. Er ist einer der am stärksten wasserbautechnisch durchgestalteten Flüsse überhaupt, mit 34 Staustufen und einem durchgängigen Ufer aus Steinschüttungen. Er hat nach einer Phase sehr starker Verschmutzungen und Fischsterben in den letzten 30 Jahren eine positive Entwicklung genommen und ist von einer ehedem stinkenden Schifffahrtsroute zum zentralen Entwicklungsbereich zahlreicher Städte und Gemeinden am Fluss geworden. Dennoch gibt es unzählige sozio-ökologische Fragen und Aufgaben, die noch unbeantwortet und ungelöst sind. Es gibt nach wie vor enormen Handlungsbedarf. Am Main wird die Bedeutung des Klimawandels für Flüsse aufgehängt, und auf ihn beziehen sich die weiteren acht Projektflüsse.

Was für ein Fluss ist der Main?
De Main ist der längste rein innerdeutsche Fluss. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war er einer der fischreichsten Flüsse Europas. Er entwässert 27.292 km2 Land und entspringt in 805 Metern Höhe. In seinem Einzugsgebiet leben 4,5 Millionen Menschen. Bei Gustavsburg mündet er in den Rhein. Er wurde durch zivilisatorische, wasserbauliche Eingriffe vollständig entstellt, denn ursprünglich bestand die Ebene ungefähr ab Aschaffenburg aus unzähligen Mäandern mit zahlreichen Inseln. Aufgrund dieser weitläufigen Laich- und Brutgebiete entfaltete sich in ihm ein legendärer Fisch- und Muschelreichtum. Riesige Vogelschwärme zogen über dieses Feuchtland.
Die Höchstabflüsse finden von Januar bis März statt. Winterhochwässer gibt es in Verbindung mit Niederschlagsperioden und der Schneeschmelze. Das Niedrigwasser erstreckt sich von August bis Oktober. Der Main ist heute kein Fluss im eigentlichen Sinne mehr, sondern ein Wasserbauwerk mit 34 Staustufen, eine Abfolge von großen Staubecken. Der Main und in der Folge der Rhein werden überdies mit zusätzlichem Wasser versorgt, um die Niedrigwässer abzupuffern, vor allem um die durchgängige Schifffahrt zu gewährleisten. Dabei wird Wasser der Altmühl, die zum Wassereinzugsgebiet der Donau gehört, über den Main-Donau-Kanal bei Bamberg in den Main geleitet. Diese Wassermasse von 150 Millionen m3 pro Jahr überwindet dabei die europäische Wasserscheide. Am Main liegen mehrere EU-Vogelschutzgebiete, und über ihn führt eine Europäische Vogelzuglinie. Rastende und überwinternde Zugvögel finden sich hier zusammen. Es gibt zwar keine ausgedehnten Auwälder mehr, aber Relikte sind noch zu finden, Röhrichte, Feuchtwiesen und Weidengebüsche finden sich trotz der Steinschüttung an den Ufern an einigen Stellen.

Schifffahrt ist eine zentrale Funktion, der Main ist eine Bundeswasserstraße. Seine Funktion besteht zudem in der Entwässerung, der Kühlung von Industrie- und Kraftwerksanlagen, der Energiegewinnung (Wasserkraft) und der Naherholung. Eine sehr wichtige Funktion des Flussraums ist die Frischluftbahn für klimatischen Ausgleich in den Ballungsräumen. Die wenigen Auen dienen zur landwirtschaftlichen Nutzung, aber auch zum Arten- und Biotopschutz und für den Hochwasserrückhalt.

Welche Probleme gibt es am Main?
Bereits um 1860 verschwanden die Lachse, die Störe und zahlreiche andere Mainfische aufgrund von Verschmutzung durch Industrieabwässer. In der Folge kam es zu massiven Verschmutzungen, als sowohl die Fäkalien der rasant wachsenden Städte als auch die Abwässer der hier dominanten Chemieindustrie ungeklärt in den Main eingeleitet wurden. Ein tragischer Höhepunkt war 1976 mit einem katastrophalen Fischsterben bei hohen Sommertemperaturen mit ohnehin geringem Sauerstoffgehalt im Fluss und umfangreichen Einleitungen von Abfällen aus einer Papierfabrik in Aschaffenburg. Dies war jedoch nur eines der negativen Ereignisse, denn die Gewässergüte galt als übermäßig verschmutzt, und in den 60ern und frühen 70ern kam es immer wieder zu kleineren und größeren Fischsterben, was zu einem Rückgang der Fischarten von 35 auf 4 führte. Die Erwärmung des Mainwassers durch die Kühlung zahlreicher Kraftwerke kommt es heute nicht mehr wie früher alle 2 Jahre, sondern praktisch gar nicht mehr zu geschlossenen Eisdecken.

Der Main ist ein Wasserbauwerk, es gelang hier, eine funktionsfähige Mittelwasserregulierung durch Buhnen zu erreichen, die von 1846-1875 gebaut wurden. Dabei kam es auch zur Begradigung durch das Abschneiden von Mäandern. Das hatte auf lange Sicht auch die deutliche Verringerung der Fischfauna zur Folge. Die Stauregelung wurde von 1883-1962 gebaut, schließlich insgesamt 34 Staustufen. Dadurch ging der Flusscharakter verloren. Es kam zu einer Aneinanderreihung von Stauseen und drastischen Auswirkungen auf die Fische, zunächst zur Verdrängung der an fließendes Wasser angepassten Arten durch Stillwasserarten und schließlich zur deutlichen Verringerung des Sauerstoffgehaltes, was in Sommern zu den Fischsterben führte. Und es kam durch das Abschneiden der Feuchtflächen und Mäander zum Absinken des Grundwassers. Schließlich wurden auch die Ufer verbaut, so dass die natürlichen Übergänge zwischen Wasser und Land verloren gingen. Für den Hochwasserschutz wurde 1911 bis 1915 der Hochwasserdeich errichtet. Dadurch kam es zum Verlust überschwemmter Auen. Aktuell geplant ist der Ausbau des Mains mit einer Fahrrinnenbreite von 40 Metern (bisher 35m) und einer Fahrrinnentiefe von 2,90m (bisher 2,50m). Die Erwärmung des Flusswassers aufgrund von Kühlwassernutzung durch Kraftwerke ist in mehrfacher Hinsicht problemaisch. Die Sohlvertiefung für die Vertiefung der Fahrrinne führte zum Absinken des Grundwasserspiegels, z.B. in Offenbach zum Versiegen der Quelle des Kuhmühlgrabens.

Welche insgesamt negativen Tendenzen sind am Main beunruhigend?
Die Entwicklung der letzten Jahre ist positiv, wobei vor allem das Fehlen umfangreicher Laichgebiete ein langfristiges Problem für den Fluss darstellt. Überdies sind die Fischtreppen nicht funktional. Durch den Klimawandel fällt Niederschlag künftig eher als Regen. Er erreicht daher den Fluss rascher und regelmäßiger. Die INKLIM 2012 II plus-Prognose für 2050 sagt: Zunahme des Jahresabflusses um 5 %; davon Zunahme im hydrologischen Winterhalbjahr um 10 % und Abnahme im hydrologischen Sommerhalbjahr um 15 %. Der mittlere Niedrigwasserabfluss wird demnach einen Rückgang um 10-15 % erfahren. Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Jahrhunderthochwassers um 15-20 % zu, wobei es dazu nur sehr ungenaue Prognosen gibt. Sicher ist jedoch sowohl durch Kühlfunktionen als auch den Klimawandel eine Erhöhung der sommerlichen Wassertemperaturen in Verbindung mit einer Verschlechterung der Wasserqualität.
Was wird getan?
An erster Stelle sind flächendeckende Kläranlagen am Main seit den 1990er Jahren zu nennen. Dadurch hat sich die Wasserqualität deutlich erhöht, wenn sie auch immer noch unbefriedigend ist. Die Zahl der Fischarten hat sich vom absoluten Minimum in den 70ern (1 Art) über die 80er Jahre (25) wieder auf über 30 erhöht, wobei dazu auch neu eingewanderte Donaufische gehören. Bis 2020 sollen mehrere Altarme geöffnet werden, zunächst um wieder Laichgebiete anzubieten, auch um die Ansiedelung der ehemals extrem zahlreichen Lachse zu fördern. Im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll punktuell Ufer- und Auenrenaturierung durchgeführt werden (z.B. die geplante Renaturierungsmaßnahmen der Stadt Frankfurt im Fechenheimer Mainbogen).
Wo bezieht sich die klimaroute auf den Main? An der Zentralstation am Mainuferparkplatz in Offenbach. Diese befindet sich ungefähr in der Verlängerung der Herrnstraße. Hier wird der Main auch in Bezug zu den anderen Projektflüssen gesetzt.